Bericht über die Konferenz

‚Japan nach der Katastrophe – eine strahlende Zukunft?‘

Volkshochschule & Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück, 4. November 2011

Die Kruste so dünn

    Im Erdinneren gärt es

     Japans Schlaf ist leicht

(Michael Zeller http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=8325)

 

Dieses war das Motto der eintägigen Konferenz, die von Prof. em. Dr. György Széll, Prof. Dr. Roland Czada, beide Universität Osnabrück und Dr. Carl-Heinrich Bösling, Volkshochschule Osnabrück, veranstaltet wurde. Sie wurde durch die Veröffentlichung der Forschungsstelle Japan 21 (2011), „Die Atomkatastrophe von Fukushima:Lehren für die Zukunft“ mit Beiträgen von Johannes Jaenicke, Udo E. Simonis und Narihiko Itô, herausgegeben vonGyörgy Széll und Carmen Schmidt initiiert. Die Schrift ist herunterladbar unter: http://www.fsjapan.uni-osnabrueck.de/media/Publikationen/Veroeffentlichungen_der_FSJ_21.pdf.

Auf dem Hintergrund der dreifachen Katastrophe am 11. März 2011 (Erdbeben, Tsunami, Reaktor-GAU) wurde bei der Konferenz folgenden Fragen nachgegangen:

1.      Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Wirtschaft?

2.      Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Politik?

3.      Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Technologieentwicklung, insbesondere im Energiebereich?

4.      Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die internationale Zusammenarbeit?

  1. Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf das Verhältnis zwischen Japan und Deutschland?

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort des japanischen KonsulsTomio Sakamoto vom Generalkonsulat Hamburg. Daran schloss sich der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Roland Czada „Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima“ an. In der ersten Sitzung ‚Wirtschaftskrise und Umwelt‘ unter Leitung von Prof. Dr. Ralf Kleinfeld, stellvertretender Leiter der Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück, referierten Prof. em. Dr. Dr.h.c. Udo E. Simonis vom Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin, sowie Prof. Dr. Johannes Jaenickeunter Mitarbeit von Richard Abendroth, Universität Erfurt über „Rechnen mit dem Restrisiko: Fukushima I“. Dabei wurde deutlich, dass durch die Haftungsbeschränkungen bzw. gar der Haftungsausschlüsse der Atomkraftbetreiber – auf Grund der Förderpolitik der Staaten –, diese kein Interesse an einer Risikominderung hatten und haben.

Anschließend hielten Prof.  Shuji Yamada und Prof. Dr. Yoshifumi Fujii, Bunkyo Universität, einen Vortrag über “JapanCitizens’ Deliberation and its Ironical Results – Citizens of ‚Dependent‘ Character“. Dieses Referat beruhte auf jüngsten Erhebungen in Chigasaki, einer Gemeinde von 230.000 Einwohnern im Großraum Tokio. Dabei ging es um die Reaktionen der Bevölkerung der Bevölkerung nach den Katastrophen am 11. März 2011 mittels Bürgerforenalternative Formen des Bevölkerungsschutzes und der Prävention für die Zukunft zu entwickeln. Dabei zeigte sich das Paradox, dass trotz des Versagens der Behörden die meisten Bürger noch immer Vertrauen in den Staat haben.

Die Sitzung zur Politikunter Leitung von Dr. Carl-Heinrich Bösling wurde eröffnet mit einem Vortrag „Schützt die Kinder vor Radioaktivität!Der Kampf der Eltern in Fukushima“ unterstützt durch einen Film vonYasuko Ishikawa, einerAktivistin der japanischen Friedensbewegung. Dieses sehr engagierte Plädoyer zeigte sehr deutlich, dass keineswegs alle JapanerInnen nur höflich und duldsam reagierten, sondern doch sehr massive Proteste mit bis zu 60.000 TeilnehmerInnen die Regierung dazu brachten, unverantwortlich erhöhte Radioaktivitätswerte zurück zu nehmen.

Daran schloss sich der Vortrag von Prof. em. Dr. Paul Kevenhörster, Westfälische Wilhelms-Universität Münsterüber „Welche Auswirkungen hat die Katastrophe auf die Politik Japans?“ an. Er endete mit dem Zitat:  „Japan muss sich neu erfinden und die Welt aus Neue überraschen!“ (Asahi Shimbun, „Vox Populi“). Den Abschluss der Konferenz bildete eine Paneldiskussion mit allen RednerInnenunter der Leitung von Prof. em. Dr. György Széll. Als deren Ergebnis ist festzuhalten, dass – im Anschluss an das Statement im Vortrag von Paul Kevenhörster – die TeilnehmerInnen ebenso wie die RednerInnen überzeugt sind, dass die dreifache Katastrophe eine Chance bietet, das japanische politische und Wirtschaftssystem radikal umzugestalten, obwohl es (noch?) nichts Vergleichbares wie die Grünen Parteien in Europa gibt. Das Potential ist da, jedoch fehlt es an der Strukturierung und Organisationsentwicklung. Auf jeden Fall wird Japan wahrscheinlich noch Jahrzehnte mit der Aufarbeitung und dem Wiederaufbau beschäftigt sein.

Ein Empfang im Friedensaal des Rathauses beendete die Konferenz. Es ist geplant, die Beiträge in einer Buchveröffentlichung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

György Széll

 

Konferenz ‚Japan nach der Katastrophe – eine strahlende Zukunft?’

4. November 2011, Vortragssaal der Volkshochschule Osnabrück, Bergstr. 8

 

Organisation: Prof. em. Dr. György Széll,Prof. Dr. Roland Czada, Universität Osnabrück&
Dr. Carl-Heinrich Bösling, Volkshochschule Osnabrück

Auf dem Hintergrund der dreifachen Katastrophe am 11. März 2011 (Erdbeben, Tsunami, Reaktor-GAU) soll bei dem Workshop folgenden Fragen nachgegangen werden:

1.       Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Wirtschaft?

2.       Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Politik?

3.       Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Technologieentwicklung, insbesondere im Energiebereich?

4.       Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die internationale Zusammenarbeit?

  1. Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf das Verhältnis zwischen Japan und Deutschland?

Vorläufiges Programm

10.00-10.20 Uhr Eröffnung und Begrüßung

Sitzungsleitung:  Prof. em. Dr. György Széll

VHS Osnabrück

Präsidium Universität Osnabrück

Japanisches Generalkonsulat

10.20-10.50 Uhr Eröffnungsvortrag Prof. Dr. HidetoSotobayashi, Berlin

10.50-12.30 Uhr Wirtschaftskrise und Umwelt

Diskussionsleitung:Prof. Dr. Ralf Kleinfeld, Universität Osnabrück

Redner:Prof. Dr. Dr.h.c. Udo E. Simonis, Wissenschaftszentrum Berlin

Prof. Dr. Johannes Jaenicke, Universität Erfurt

Prof. Shuji Yamada, Bunkyo Universität, Japan

12.30-13.15 Uhr Mittagspause

13.15-15.15 Uhr Politik

Diskussionsleitung: Dr. Carl-Heinrich Bösling, Volkshochschule Osnabrück

Redner:Prof. Dr. Roland Czada, Universität Osnabrück

Yasuko Ishikawa, Meiji Universität, Japan

Prof. Dr. Paul Kevenhörster, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

15.15-15.30 Uhr Pause

15.30-17.30 Uhr Paneldiskussion mit allen Rednern

Diskussionsleitung: Prof. em. Dr. György Széll, Universität Osnabrück

18.00-19.00 Uhr Empfang im Rathaus

 

Anmeldung und Informationen:

Voklshochschule Osnabrück

 

Materialien:

Die Atomkatastrophe von Fukushima: Lehren für die Zukunft

"Des Pudels Kern" Kenichi Mishima über Fukushima

Fukushima clears East-West Divide?

Wohin treibt Japan?

"Ich hasse es Blut zu sehen" Interview mit Hideto Sotobayashi

"Fukushima 3/11" Johan Galtung über Fukushima

 

Literatur:

Fukushima: Vom Erdbeben zur atomaren Katastrophe von Florian Coulmas